...Wenn der Mensch seinen Verstand einsetzt, muss es keine Kriege geben.
Werke von Gerhard Grümmer

Gerhard Grümmer, Sohn eines Studienrates, geboren am 20. August 1926, ging in Görlitz zur Schule. Vom Gymnasium wurde er 1943 mit einem „Reifevermerk“ zum Arbeitsdienst, später zur Kriegsmarine eingezogen. Nach Krieg und Gefangenschaft in Großbritannien holte er ein gültiges Abitur nach und studierte in Jena Biologie und Chemie. Später wurde er Assistent an der Universität Jena, dann an der Universität Greifswald. Seit 1955 wirkte er als Dozent, seit 1958 als Professor. In den frühen Forscherjahren wurde er bekannt durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Allelopathie, der gegenseitigen Beeinflussung von Pflanzen. Im Vietnamkrieg wurden mit seiner Greifswalder Forschungsgruppe Gegenmittel zu den US-amerikanischen chemischen Kampfstoffen entwickelt. Finanziert aus Solidaritätsspenden konnten Pflanzenschutzgeräte zur Rettung der Ernten nach Vietnam entsendet werden. Gerhard Grümmer leitete während des Vietnamkrieges vor Ort die ersten Einsätze zur Neutralisierung der Herbizide. Die in viele Sprachen übersetzte Reportage „Herbizide in Vietnam“ ist ein Buch, mit dem Gerhard Grümmer sich erstmals an eine breite Leserschaft als Kriegsgegner wendet. Der Roman „Irrfahrt“ ist sein bekanntestes Werk, das mit authentischen Ereignissen und packenden Tatsachenschilderungen viele Fakten  zur Kriegsmarine des zweiten Weltkriegs vermittelt. Die „Irrfahrt“ erlebte 10 deutsche und eine russische Auflage. „Giftküchen des Teufels“, 1985, wendet sich gegen die Unmenschlichkeit chemischer Kriegsführung. Einzelne Kapitel dieses Buches sind auch in einer Tatsachen Heftreihe erschienen, 1987:„Der Atem des Todes“. In dieser Tatsachen Heftreihe schrieb Gerhard Grümmer bis 1984 unter dem Pseudonym Gerhard Meer, 1984: „Die Giftküche der IG Farben“, 1981: „Giftige Wolken“. Außerdem in der Heftreihe erschienen 1976: „Das gestohlene Radargerät“ und „Die Katastrophe von Windscale“

  Ein weiteres Arbeitsgebiet war das Übersetzen von Reiseberichten. Dazu zählt Washington Irvings „Leben und Reisen des Christoph Columbus“,  John Ross „Zum Magnetpol in der Arktis“ , Johann von Mandeville „Von seltsamen Ländern und wunderlichen Völkern“, Robert E. Peary „Schlittenreise zum Nordpol“, John Franklin „Vorstoß in die kanadische Arktis“ und die Sammlung von Reiseberichten deutschsprachiger Forscher „Nördlich von Europa“. Außerdem erschien 1990 „Pirat im Pazifik“ und 1991 der Roman „Ponape im Aufstand“.

  Gerhard Grümmer sammelte leidenschaftlich Besonderheiten der deutschen Sprache, nachzulesen in „Spielformen der Poesie“, „Palindrome“, „Neue Schüttelreime“„Herzhaft und Scherzhaft“und „Limericks und Schlimmericks“.

Seinem Fachgebiet, der Biologie, blieb er mit populärwissenschaftlichen Büchern über einen langen Zeitraum treu: 1966 „Pflanzen und Tiere tropischer Gebiete“ entstanden nach einer halbjährigen Gastprofessur in Indien. 1970: „Im Ringen um die Nahrung“, 1970: „Rice technical fundamentals“ (englisch), 1981 als Mitautor in „Landschaft vom Reisbrett“ und 1989 „Kurzweil durch Biologie“.

  Gerhard Grümmer versuchte stets Humor und seine Leidenschaft für Recherchen zu verbinden: 1990: Rostocker Anekdoten, überarbeitet und neu aufgelegt vom Altstadtverlag Rostock 2000, 1990: „Rostocker Stammbücher“, 1992: „Freitags wird gefastet“, 1992: „Marschall Vorwärts“ Blücher-Anekdoten. 1995: „De Kauh is dod“. Die Verbindung von Humor mit den Feinheiten der deutschen Sprache findet man in „Travestien über Fuchs und Rabe“ 1993 (mehr...), „Kokslieferung“ und in „Herzhaft und Scherzhaft“ 1990 sowie als Co-Autor mit Gerald Drews in „Deutsch für Angeber“ 1993 und „Fach-Chinesisch für Angeber“ 1994.

  Gerhard Grümmer nahm auch die Schwierigkeiten im Leben immer mit Humor. Selbst als man die sogenannte dritte Hochschulreform 1971 dazu benutzte, den aufmüpfigen Professor aus dem Staatsdienst zu entlassen und dieser nach einer schweren gesundheitlichen Krise in den Vorruhestand ging, kommentierte er das später mit den Worten: „...man muß nur rechtzeitig anfangen aufzuhören“. Bis zu seinem Tod am 19.09.1995 nutzte er den so gewonnenen Freiraum als unabhängiger Autor, der mit spitzer Feder und der Mithilfe mutiger Verlage gelegentlich bis an die Grenzen des damals druckbaren gehen konnte.